The personal blog of Arthur Khessin

Rückblick: Jahr 2007 im Zeichen des Internets

Und wieder geht ein Jahr zu Ende 🙂 Ein spannendes Jahr, viel Neues, viel Bewegung, viel Geld im Umlauf und einige wichtige Entwicklungen die unsere Zukunft prägen werden.

DSL
Auf dem Gebiet des schnellen Internets konnte man eine horizontale Bewegung beobachten. Primär wurde über den Preis verkauft. Die Minimalgeschwindigkeit wurde teilweise angehoben (von 1 Mbit/s auf 2 Mbit/s). Die Verfügbarkeit hat sich ein wenig verbessert. Auch wenn manch einer auch weiterhin Monate auf sein DSL warten musste, weil die T-Com ihre Vorleistungen mit Verzögerung an die Reseller zur Verfügung stellt. Alles beim Alten 🙂
Das Glasfaser Internet à la VDSL ist erst noch im Kommen. Kostet viel zu viel und fast nirgendwo verfügbar. Zwar gibt es einige neue Ankündigungen zig Milliarden Euro in den Ausbau zu stecken (auch von der T-Com Konkurrenz), was ich aber eher als pure Strategie und wohl kaum echte Pläne wahrnehme. Macht auch wirtschaftlich nicht so sehr viel Sinn, wenn man sich die sinkenden Preise anschaut. Ist wirklich ein kleiner Teufelskreis. Da helfen wohl nur Kooperationen. Alle Großen müssen zusammenarbeiten und gemeinsam ein Netz aufbauen.
Immer mehr Anbieter werden praktisch gezwungen All-Inclusive Pakete anzubieten. Das führt dazu, dass sie als Nicht-Experten meist nur lustlose Zusatzleistungen die sie eh extern einkaufen – mitanbieten. Das äußert sich bei VoIP als auch TV, wobei beides (mit positiven Ausnahmen) eher als Zugabe und weniger als echter Mehrwert mitdabei ist. Es wird immer noch nicht alles ausgereizt was mit den Technologien möglich wäre.
Es gibt schöne neue Hardware wie die AVM Fritz!Box 7270, die nun auch das schnelle WLAN “n” Standard unterstützt und auch sonst DIE Schaltzentrale im Haus geworden ist. Wirklich praktisch ist es, kann ich nichts dagegen sagen. Aber auch an die bereits bestehenden Nutzer der 7170 denkt AVM mit ihren ständigen Labor Firmwares. Sehr lieb die Firma.

Mobiles Internet (Gerät des Jahres… Ihr wisst schon)
Da ging es richtig ab. Alles fing mit harmlosen Verkaufsversuchen von T-Mobile und Vodafone komische Web Dienste zu astronomischen Preisen auf mikroskopischen Handybildschirmen an. Zwar hatte E-Plus bereits seit 2006 eine sehr attraktive UMTS Flat im Portfolio, trotzdem fand das Mobile Internet einfach keinen Zuspruch. Die Verbindung war nicht überall wenn überhaupt stabil, viele Geschäftskunden wollten nur wegen der Datenflat nicht zu E-Plus wechseln und die Geräte womit sich das Internet nutzen lässt – waren ein Witz.
Mal im Ernst – man nehme ein kleines hübsches Nokia mit guter Sprachqualität und Millionen Funktionen die man eh nicht findet. Wie soll ich mit diesem 3×3 cm Bildschirm ins Internet gehen?? Klar, kann ich damit mein Gmail abrufen, aber ungeachtet dessen, dass die JAVA Programme ständig abstützen – macht es absolut keinen Spaß. Wirklich nicht. Und ich bin ein absoluter Gadget Fan.
Und dann kam die Bombe… langsam… viele haben es als Marketing Hype abgestempelt, sich wichtig gemacht und als es kam war klar – das ist DAS richtungsweisende Gerät des Jahres 2007 (die Rede ist vom iPhone). Es ist nicht perfekt (siehe dazu meinen Beitrag). Das iPhone hat die Industrie des mobilen Internets jedoch massiv verändert. Nach nur 4 Monaten war die Anzahl der Internetnutzer die das iPhone zum Surfen verwenden größer wie die der Nokia-Surfer (es wurden knapp 500 Mio Internet-fähiger Nokias verkauft und erst 5 Mio iPhones….).
Große Internetseiten haben den Trend plötzlich erkannt und werben damit eine kostenfreie iPhone optimierte Version ihrer Seite anzubieten. Was am Ende mit jedem Handy betrachtbar ist (oder auch Desktop-Browser), es hört sich aber trendiger an!!
Weitere Konsequenz: fast überall in Europa (wo das iPhone angeboten wird) kommen plötzlich mobile Flatrates zu sehr brauchbaren Preisen! Man schaue sich alleine Frankreich an. Da musste man noch 2 Tage vor der iPhone Vorstellung knapp 10 Euro für einen 5 Mbyte Paket bezahlen. Diese 2 Tage später präsentierten fast alle Anbieter eine echte Surf-Flatrate für etwa 9,99 Euro / Monat. Alleine dafür müsste man unserem Steve Jobs danken.
Aber das ist noch nicht alles. Plötzlich hat Nokia zu spüren bekommen, dass man vielleicht nicht nur an der Anzahl der Geräte im Angebot arbeiten soll, sondern auch an deren Software. Apple bedient nur einen Nischenmarkt. In Indien kümmert man sich kaum um die tolle Touch-Oberfläche. Da hat man ganz andere Probleme, wie das Aufladen mit Elektrizität. Ganz zu schweigen davon, dass kaum jemand (in der Mehrheit der Bevölkerung) einen ausreichend schnellen PC hat der iTunes 7.5 zum laufen hibekommt! Aber in Europa und USA sieht es anders aus, daher werden die Anbieter umdenken müssen. Ich glaube nicht, dass sich die Firmen so schnell ergeben wie bei den MP3 Playern. Da wird Samsung und Nokia hart durchgreifen und mit paar richtigen guten Geräten rauskomme die offener und deutlich flexibler sind.
Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem mobilen Internet. Es hat endlich begonnen. Gut so. Ob damit auch Geld verdient wird – glaub erstmal nicht… aber es wird sicherlich bald kommen. Im Moment ist das mobile Internet eher eine zusätzliche Variante bestehende Dienste von unterwegs zu nutzen. Eigenständige Sachen werden erst mit der Masse kommen… Wobei dies auch wieder so ein Huhn->Ei Problem sein kann. Ein VC wird es schon finanzieren damit es geschäftsmässig auch los geht.

Web 2.0 und die VCs
Es war auch weiterhin die Blütezeit des Web 2.0 Zeitalters. Es wurde viel Quatsch finanziert, aber auch viele sehr sehr coole Sachen geschaffen. Auch wenn ich persönlich davon überzeugt bin, dass die “wirklich coolen” Sachen auch ohne VC es hinkriegen Erfolg zu haben – gibt es sicherlich ab einer gewissen Größe eine Notwendigkeit. Ich habe viele kennengelernt dieses Jahr die mit Web 2.0 reich geworden sind – ohne dabei Mehrwert geschaffen zu haben. Ich glaube aber schon, dass hinter dem Hype ein fester Kern dahinter steht. Dieser ist im Moment noch fest genug um die Blase aufrecht zu erhalten. Wie lange es noch gut geht – entscheiden die Werbekunden. Denn dieser Kern heißt “Werbung” bzw. “Adsense”. Beide sind fast Synonyme geworden, naja – fast.
Die VCs laufen manch idiotischen Ideen hinterher, weil diese eine tolle Luftschloss-Bewertung haben. Während andere bodenständige Projekte aber eben sehr nischen-orientiert, kaum Beachtung bekommen.
Andererseits finde ich die deutlich offenere, freundlichere und risikofreudigere Einstellung der Risikoinvestoren höchst positiv. Und das Jahr 2007 hat nochmal bewiesen, dass man im Internet reich werden kann. Die Wahrscheinlichkeit ist aber nicht höher wie vorher. Eher geringer, weil die Anzahl der guten Ideen die die Welt erobern können – immer geringer. Stattdessen geht alles hin zu Nischen die es zu belegen gilt und diese zu finden und elegant zu füllen, muss man genug Ausdauer mitbringen.

Mein Fazit
Google regiert nach wie vor das Internet, Microsoft die Heimcomputer und Apple die Presse. Alles also beim Alten 😉

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